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Presse-Echo

In der „Waage“ wärmt die Bohnensuppe beim Business Lunch / Mittagsangebot in freundlichem Ambiente

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Die "Waage" am Neuen Markt

POTSDAM / INNENSTADT - Die Alternative zum Kantinen-Essen beschränkt sich aus Zeitgründen meist auf ein Baguette vom Bäcker unterwegs, ein heißes Würstchen irgendwo auf die Schnelle oder ein Schälchen mitgebrachten Salates. In der Diensteile bleibt einem kaum der Gedanke an ein ordentliches Mittagessen zwischen Außentermin und Redaktionsschreibtisch. Aber es geht auch mal anders.

Wer über den Neuen Markt schleicht – mit dem Auto schön an die vorgeschriebenen zehn Stundenkilometer in der verkehrsberuhigten Zone denken! – entdeckt den Restaurant-Aufsteller der „Waage“, die damit auf einem der schönsten Plätze Potsdams für „Business Lunch“ wirbt. Warum nicht auch ohne Geschäftspartner?

Beim Blick durchs Fenster wirken die mit weißem Tuch, Kerzenleuchter und frischen Rosen in der Vase eingedeckten Tische äußerst einladend. Der Empfang ist warm und herzlich mit den besten Neujahrsgrüßen verbunden. Gegen 14 Uhr ist das gemütliche kleine Restaurant mit 46 Plätzen in zwei Räumen übersichtlich gefüllt: An zwei Tischen diskutieren je zwei größere Gruppen Männer in Anzügen geschäftig. Ein Touristenpärchen in Jeans und Pullovern plaudert.

Der Kellner reicht flott die Karte, extra dazu das Business-Lunch-Angebot. Die wöchentlich wechselnden Zwei-Gang-Menüs für den Festpreis von 9 Euro werden Dienstag bis Freitag zwischen 12 und 16 Uhr dem Gast serviert, der meistens wenig Zeit hat. Dementsprechend fix und sehr aufmerksam wird er bedient, ohne dass er sich gehetzt fühlt. Diesmal gibt es als Vorspeise Bohnensuppe nach sizilianischer Art. Beim Hauptgang hat man die Wahl zwischen Gnocchi in Rucola-Pesto, Pennetti mit Radicchio Trevisiano und Speck sowie Hähnchenbrust in Currysauce mit Risotto. Die Bohnensuppe kommt prompt. Sie ist heiß, würzig, mit leichter Schärfe im Abgang und trotz ihrer gefälligen Konsistenz – kein Vergleich natürlich zu deutscher Hausmannssuppe – mit den großen weißen Bohnen, wenigen Kartoffelstücken, zartem Gemüse und Rosmarinnadeln genau das Richtige für einen kalten Wintertag. Zum großen Suppenteller wird frisches Brot gereicht. Bei der Wahl zwischen Gnocchi und Pennetti weist der Kellner auf die eher weicheren Kartoffelmehlklößchen hin, so dass es dann doch die etwas bissfesteren, kleinen Nudeln mit dem wunderbaren Gemüse sein sollen, das in der Winterküche unserer italienischen Nachbarn nicht fehlen darf. Die Wahl war richtig! Die Nudeln sind al dente, der rote, kleingeschnittene würzige Radicchio harmoniert mit dem mageren Speck, der Parmesan schmilzt und krönt jeden Gabelbissen. Perfetto, lobt man sogleich den Kellner. Mit stillem Wasser und einem kleinen Gläschen (0,1 Liter) sardischem Weißwein kann nichts schiefgehen. Für den doppelten Espresso sollte man sich noch die Zeit nehmen. Letztlich aber ist es möglich, in einer knappen halben Stunde recht nett zu genießen.

Seit gut eineinhalb Jahren bietet Inhaber Houssam Kahil Business Lunch an; seit 2003 führt er das Restaurant. Der Vorgängerbau war 1820, als die städtische Mehlwaage dort einzog, baufällig, so dass an gleicher Stelle neu gebaut wurde. Das jetzige denkmalgeschützte Gebäude beherbergt seit 1995 Gastronomie.

Kahils „Waage“ wirbt mit mediterranen Eigenkreationen und bietet wechselnde Speisen aus den Regionen Italiens an. An der Hauswand preist die jüngst wieder erworbene Plakette die „Waage“ als einen Ort „Brandenburger Gastlichkeit“. An diesem Dienstagnachmittag hat sie den guten Ruf bestätigt.

Und wenn man nach dem herzlichen Abschied, bei dem einem der Kellner in den Mantel geholfen hat, dann womöglich doch noch auf dem vereisten Gehweg vorm Restaurant ausrutscht und im Rettungswagen zur Notaufnahme fährt, könnte man sich getrost sagen: „Wenigstens gut gegessen vor dem Gipsen“.

 (Von Claudia Krause)

Märkische Allgemeine 07.11.2011